Ein Brautkleid entsteht…
Das Beratungsgespräch Die Braut kam auf Empfehlung in meine Schneiderei. In unserem ersten Beratungsgespräch hatte sie bereits ein klares Anliegen: Sie wollte keine laute Braut sein. Sie wünschte sich einen zurückhaltenden, romantischen Look. Ein besonderes Anliegen war ihr eine ausgefallene Lösung für die Ärmel. Und sie legte sehr viel Wert auf nachhaltige Materialien. Der Entwurf Ich entwarf eine an die Zeit des Biedermeiers angelehnte Linienführung. Eine schmale, natürlich sitzende Taille öffnet sich wie ein Blütenkelch zu den Schultern. Dieses Aufblühen wird durch zarte, weite Ballonärmel verstärkt. Aus der Taille abwärts entwickelt sich ein weiter, glockenförmiger Rock ohne Schleppe. Für Klarheit und Modernität im Entwurf sorgt der bewusste Verzicht auf florale Spitze, Stickereien oder Applikationen.
Materialien und Fertigung
Ich schlug der Braut ausschließlich natürliche Materialien vor: Seide, Baumwolle und Leinen. Auch das eine Reminiszenz an den Biedermeier, der gekennzeichnet war durch eine sehr große Wertschätzung der Natur.
Der Oberstoff des gesamten Kleides ist ein Seiden-Georgette, der zart und transparent wirkt. Die Ärmel enden in langen Manschetten mit jeweils fünf handbezogenen Seiden-Knöpfen und Röllchen-Verschlüssen. Das Unterkleid fertigte ich aus Baumwollsatin, sodass die Haut der Braut ausschließlich mit Baumwolle in Berührung kommt. Im drapierten Oberteil geben Einlagen aus Leinen-Bougram dem zarten Georgette Form und Halt. Auf ein Verkleben der Schichten verzichtete ich. Auch im handpikierten Rocksaum ist Leinen-Bougram verarbeitet für mehr Stand. Einzig beim Unterrock musste ich eine Konzession machen: Der Petticoat-Tüll ist aus einem synthetischen Material. Er ist lose verarbeitet zum unkomplizierten Herausnehmen.
Brautschmuck und Schleier
Für den Brautschmuck entwarf ich zierliche, aber klar konturierte Blüten. Sie sind aus Pergamentpapier handgefertigt und auf mit Seide bezogene Haarklemmen aufgenäht. Hochwertige Handwerkskunst bis ins Detail – übrigens auch ein Kennzeichen des Biedermeiers.
Die Klemmen befestigen den langen Schleier. Der Seiden-Schleier ist geradlinig und schlicht gearbeitet. Theoretisch kann er nach der Hochzeit als Schal zum Einsatz kommen, er könnte auch eingefärbt werden.
Danke an Moritz, Justin und Leonard für die fleißige Assistenz. Für die Unterstützung beim Brautschmuck danke ich der fingerfertigen, geduldigen Alice.
Fotocredits:
Andreas Trommler
Brautpaar: Olaf Martens, www.olaf-martens.de
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Terminvereinbarung Maßanfertigung

Andreas Trommler

Olaf Martens