Interview: Sie hat Ja! gesagt – Magdalena Lieckfeldt über ihr Brautkleid von Andreas Trommler

Magdalena Lieckfeldt hat sich entschieden, ihr Brautkleid nicht von der Stange zu kaufen, sondern es auf Maß von Andreas Trommler anfertigen zu lassen. Wie es zu dieser Entscheidung kam und ob es für sie der richtige Weg war, erzählt sie in diesem Interview.

Iris Kirchhoff: Guten Tag Frau Lieckfeldt, zunächst meine Glückwünsche zu Ihrer Hochzeit! Ihr Brautkleid wurde von der SCHNEIDEREI Andreas Trommler gefertigt. Welche Gründe gab es, sich für ein Kleid von Herrn Trommler zu entscheiden?

Magdalena Lieckfeldt: Ich habe drei Monate vor meinem Hochzeitsdatum damit begonnen, mich um mein Brautkleid zu kümmern. Bei den meisten Schneiderein und Brautkleidboutiquen wurde mir gleich entgegnet, dass die Zeit sehr knapp wäre. Das suggerierte sofort ein Gefühl von Stress. Nicht so bei Herrn Trommler. Ich habe ihn im Internet entdeckt, die Fotos auf seiner Website empfand ich als sehr ästhetisch und inspirierend. Ich rief ihn an und hatte sofort ein sehr angenehmes Gefühl. Ich erzählte von meinen Vorstellungen, wir scherzten ein wenig über Reifröcke. Hinsichtlich der Zeitplanung vermittelte er mir Ruhe und Gelassenheit. 

Anschließend trafen wir uns zu einem Beratungsgespräch in seinem Atelier. Er erzählte mir von seiner Überzeugung, dass jedes Element der Kleidung, ob Stoff oder Verzierung, die Funktion erfüllen soll, den Träger und dessen Wohlgefühl zu unterstützen. Als er dann einen ersten Entwurf skizzierte, hat dieser mich komplett überzeugt. Ästhetisch hatte Herr Trommler meinen Geschmack getroffen, er hatte mir zugehört und meine Vorstellungen verstanden. Noch dazu gefiel mir die ruhige Atmosphäre in seiner SCHNEIDEREI. Der ganze Prozess fühlte sich so unkompliziert an! Es hat für mich einfach gepasst.

IK: Sie sagen, dass der erste Entwurf nach Ihren Vorstellungen entstand. Sie hatten also bereits sehr konkrete Ideen, als Sie zu Ihrem ersten Termin bei Andreas Trommler gegangen sind?

ML: Ich wusste, dass ich einen kasten- oder herzförmigen Ausschnitt will, etwas, was ich bei vorproduzierten Brautkleidern selten gesehen habe. Und ich wollte einen leichten, schwebenden Stoff. Generell kann ich sagen, dass mich die typischen Brautkleider aus Boutiquen, auch im Internet, einfach nicht ansprachen. Ich hatte von mir als Braut ein anderes Bild. Mein Brautkleid sollte klar und rein sein: lange Ärmel, leichter, durchsichtiger Stoff in einem strahlenden Weiß, kaum Verzierungen. Diese Vision sah ich bei keinem der üblichen Anbieter umgesetzt. So führte mich der Weg folgerichtig zur Maßschneiderei und letztlich zu Herrn Trommler. Ich habe mich trotz meiner Ideen von Herrn Trommlers Vorschlägen bei der Umsetzung leiten lassen, da ich auf sein ästhetisches Auge und sein Fachwissen vertraute.

IK: Sie haben hinsichtlich der Atmosphäre bei Herrn Trommler betont, wie ruhig und gelassen diese war. Mögen Sie dazu und zu Ihrem ersten persönlichen Zusammentreffen noch ein bisschen mehr erzählen?

ML: Mir ist ganz besonders die Gesprächsführung in Erinnerung geblieben. Herr Trommler fragte nicht nur nach dem Kleid an sich, sondern hat es in den gesamten Kontext der Hochzeit eingebunden: Wo würden mein Mann und ich heiraten und anschließend feiern? Hatten wir einen Leitfaden, der uns für die Hochzeit vorschwebte? Wie könnte mein Hochzeitskleid diesem Leitfaden folgen und mich als Braut am Tag der Hochzeit unterstützen? 

Und das alles in einer sehr entspannten Atmosphäre, mit tibetischer Meditationsmusik im Hintergrund, das hat mir gut gefallen. Als ich Herrn Trommler beschrieb, wie ich mir mein Brautkleid vorstellte, begann er eine Skizze anzufertigen. So konnten wir im weiteren Verlauf unseres Gesprächs anhand der Skizze bereits Details besprechen: Wie weit soll der Rock ausfallen? Wie soll der Oberkörper durch Raffung geformt werden? Und so weiter… 

Als nächstes haben wir über die Materialien gesprochen. Aus welchem Material sollte das Kleid sein, welches Stoffverhalten passt zu mir und zum Entwurf? Wir sind dann gemeinsam Stoffproben durchgegangen, und ich habe meine Wahl getroffen. Danach hat Herr Trommler meine Maße genommen. Nach dem ersten Gespräch war das Kleid also im Kopf bereits fertiggestellt und wartete nun auf die Umsetzung. 

IK: Herr Trommler hat mir erzählt, dass Ihnen der Aspekt der Nachhaltigkeit wichtig war. Bezog sich das auf die Wahl der Stoffe, deren Herkunft oder…? 

ML: Mir war es sehr wichtig, dass das Kleid aus Naturstoffen gefertigt wurde, aus Seide, Baumwolle oder ähnlichem. Ich finde das Tragegefühl von Naturstoffen ist dem von Synthetikstoffen weit überlegen. Der Traugottesdienst begann um 11 Uhr und die Hochzeit endete in den Morgenstunden des nächsten Tages – das Kleid sollte mich diese vielen Stunden wohl kleiden und angenehm zu tragen sein. Ich wollte mir deshalb nicht zumuten, stundenlang in einem Plastikungetüm gefangen zu sein, welches nicht atmet und – ich spreche es einfach direkt an – den Schweißgeruch sicher nicht positiv beeinflusst. 

IK: Wie ging es nach ihrem ersten Termin weiter? Gab es Folgetermine? Oder haben Sie die SCHNEIDEREI erst wieder betreten, als das Kleid fertig war?

ML: Es gab weitere Termine, bei denen ich miterleben konnte, wie das Kleid Stück für Stück Form annahm. Jedes Mal, wenn ich kam, probierte ich den aktuellen Stand an. Zuerst war es der Unterstoff als eine Art Formvorlage. Mit jedem weiteren Termin kamen Details hinzu: Ärmel, Überstoff, exakt geschnittener Ausschnitt sowie die Schleppe, die Knöpfe an Ärmeln und am Rücken. Die Termine waren auch eine Kontrolle, dass alles gut passt, da Maße sich ja in manchen Fällen bis zur Hochzeit verändern können. Das Kleid wurde quasi an meinen Körper modelliert.

IK: Das klingt, als hätten Sie sich sehr gut aufgehoben gefühlt.

ML: Ja, sehr. Wie schon erwähnt, gefiel mir die von Herrn Trommler geschaffene Atmosphäre im Atelier sehr und ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass Herr Trommler Vorstellungen von Brautmode und dem Einkleiden einer Braut hat, die meinen sehr entsprechen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Angst, dass sich mein Brautkleid zwischen diesem und dem nächsten Termin zu etwas entwickeln könnte, das ich nicht wollte. Herr Trommler hat meine Vorstellungen eines idealen Brautkleides nicht nur umgesetzt, sondern er hat aus meiner Idealvorstellung das für mich perfekte Brautkleid entwickelt.

IK: Als ich Fotos Ihres Kleides sah, sind mir auch der Schleier und seine florale Befestigung ins Auge gefallen. Ich finde diese Lösung ungewöhnlich und sehr schön. Wie kam es dazu? War das Ihre Idee? 

ML: Die Umsetzung der Befestigung mit diesen wunderschönen Seidenpapierblümchen habe ich Herrn Trommler und seiner wunderbaren Helferin Alice Fichtner zu verdanken. Ich hatte die Idee, dass der Schleier auf meinem Kopf liegen soll, anstatt mit einem Kamm aufgesteckt zu werden. Herr Trommler unterbreitete mir den Vorschlag, zwei Spangen, geschmückt mit diesen ganz zarten Seidenblümchen, zu kreieren, durch die der Schleier auf meinem Kopf gehalten wurde. Ich war begeistert. Mir haben die Spangen so gut gefallen, dass ich sie die ganze Hochzeitsfeier als Haarschmuck getragen habe, auch nachdem ich den Schleier abgenommen hatte.

IK: Kommen wir zum Tag Ihrer Hochzeit. Manche Bräute berichten, dass das Tragen ihres Hochzeitskleides fast ein bisschen stressig war, weil es hier und dort zwickte oder einengte. Zudem ist so ein Brautkleid einfach ein oft ungewohnt formelles Kleidungsstück. Wie ging es Ihnen? Vor allem bei diesem, wie Sie erwähnt haben, sehr langem Tag. War das Kleid letztlich so angenehm zu tragen, wie Sie es sich erholt hatten?

ML: Hierzu kann ich nur sagen, dass ich es absolut geliebt habe, mein Hochzeitskleid zu tragen. Es war so wunderbar leicht und fließend, und ich habe mich den gesamten Hochzeitstag ganz edel und sehr schön gefühlt. Ich verdanke dieses schöne Gefühl unter anderem dem Vorschlag von Herrn Trommler, Baumwolle als Unterstoff für das Kleid zu verwenden. Er meinte, dass dies für den Tragekomfort sehr positiv wäre und genauso schön wie alternative Möglichkeiten. An meinem Kleid hat nichts gezwickt oder mich eingeengt, es hat mich den ganzen Tag unterstützt und mir kontinuierlich ein Gefühl der Schönheit gegeben.

IK: In Ihr Kleid sind viele Überlegungen, Ideen, Arbeit und Geld geflossen. Wird es trotzdem bei dem einmaligen Tragen am Hochzeitstag bleiben? Oder werden Sie es noch zu anderer Gelegenheit tragen? Falls ja: Wird es dafür umgeändert oder gefärbt werden? 

ML: Aus gründen der Nachhaltigkeit war es für mich wichtig, dass ich das Kleid auch zu anderen Anlässen nochmals würde tragen können. Das konnte ich mir vor der Hochzeit sehr gut vorstellen und vielleicht mache ich es auch noch. Aber momentan habe ich mich so in mein strahlend weißes Hochzeitskleid verliebt, dass ich es erstmal gern so wie es ist behalten möchte. Außerdem erinnert es mich an meinen glücklichen Hochzeitstag! 

Auf der anderen Seite würde ich das Kleid sehr gerne wieder anziehen, einfach weil das Tragen an sich mir so viel Freude gemacht hat. Die Veränderungen, die ich mir dafür vorstelle, sind aber kein Umfärben, sondern ein Hinzufügen von dünnen farbigen Stoffschichten im Rockbereich. Und vielleicht eine Wiederkehr dieser Farbe am Oberkörper. So bliebe mein Hochzeitskleid bestehen und würde nur um schöne Details ergänzt. Mal sehen, wozu ich mich letztendlich entscheide.

IK: Gibt es noch etwas, was Sie zu Ihrem Kleid sagen möchten? 

ML: Ich möchte mich vor allem nochmal bei Herrn Trommler bedanken. Ich erinnere mich so unglaublich gerne an meinen Hochzeitstag zurück, und ich hätte mir kein schöneres Kleid vorstellen können, um mich an diesem Tag zu begleiten. Aber auch der Weg hin zum fertigen Hochzeitskleid ist mir so glücklich in Erinnerung geblieben. Mal habe ich meine Mutter, mal meine Trauzeugin zur Anprobe mitgebracht. Die Gespräche unter uns allen über Hochzeiten, Erwartungen und auch unerwartete Wendungen in der Planung einer Hochzeit haben diese Zeit nochmal viel schöner gemacht.

IK: Vielen lieben Dank, dass Sie sich Zeit für dieses ausführliche Interview genommen haben, Frau Lieckfeldt.